Auf den Spuren des Modellhubschraubers - oder nicht nur Dieter Schlüter

 

Ein Fotobericht über Bruno Gottfried

 

 

Bruno Gottfried mit seinem Kavan Jet Ranger

 

 

Wie wir alle wissen, ist Dieter Schlüter der Vater des Modellhubschraubers. Aber es gab auch noch andere Modellbauer, die sich mit der Konstruktion von ferngelenkten Hubschraubern intensiv beschäftigt haben. Einer von ihnen ist Bruno Gottfried. Auch er war maßgeblich an der Weiterentwicklung des ferngelenkten Modellhubschraubers beteiligt. Ihm möchte ich diesen Bericht widmen

 

Er ist der Mann, der in dem Video von D. Schlüter die Modellhubschrauber bei den Flugversuchen an einer Wäschestange sicherte. „Lauf Bruno lauf “- erinnert ihr euch?  Bekannt war Bruno Gottfried  auch durch die  Simprop- Staffel Deutschland/Schweiz. Staffelpiloten waren  Hans Maier, Werner Käseberg, Fritz und Michael Bosch, Bernhard Schwermann und Bruno Gottfried. Sie waren zu dieser Zeit die besten Showflugpiloten und europaweit auf Flugtagen zu sehen.

Es dürfte 1968/69 gewesen sein, Dieter Schlüter wurde gerade als hessischen Meister im RC/1 von Heinz Elsässer abgelöst, da kam Schlüter auf die Idee, mal was anderes zu machen- eben einen ferngelenkten Modellhubschrauber. Dieses Vorhaben wurde allgemein mit großer Skepsis aber auch mit Bewunderung betrachtet.

Diese Geschichte kennen wir ja. Nachdem Bruno Gottfried buchstäblich hautnah bei Dieter Schlüter die Entwicklung und ersten Flugversuche des ferngelenkten Modellhubschraubers miterlebte dauerte es nicht lange bis er die Cobra fliegen konnte.

Im November 1970 machte er die ersten Hüpfer und nach vier Flugstunden konnte er die Cobra bereits schweben.

 

Bruno mit der Bell Huey Cobra

 

Dieses Bild zeigt eine Spannvorrichtung, mit der die Nasenleiste mit der Endleiste der Rotorblätter verleimt wurden. Oben sind die beiden Spannvorrichtungen der Kufenbügel zu sehen, diese wurden aus Holzfurnieren hergestellt. Auf dieser Spannvorrichtung liegen auch die selbst gefertigten Fräsmesser für die Nasenleiste

 

Er beherrschte die Cobra so gut, dass er sich am 22.Mai 1971 traute, seine Bell Huey Cobra gesteuert aus einer Hughes 300 über Koblenz zu fliegen. Die Tür an der Hughes wurde ausgehängt, damit die Senderantenne ausgezogen werden konnte.  Der spektakuläre Flug wurde vom ZDF aufgezeichnet und am Montag den 2. Juni 1971 in der Sendung „Drehscheibe“ veröffentlicht. Dieser Flug hätte eigentlich in das Guinness Buch der Rekorde gehört.

 

In den USA war die Firma Kavan durch die Lieferung von Modellbauzubehör nicht unbekannt. So kam es, dass der Veranstalter der Weltmeisterschaft 1971 für die RC1- Klasse in  USA Doylestown/Pennsylvania mit Franz Kavan Kontakt aufnahm. Für diesen Wettbewerb fehlte dem Veranstalter noch eine Attraktion. Dabei ist ihm Dieter Schlüter und Bruno Gottfried eingefallen. Die beiden konnten bekanntlich die Bell Huey Cobra einwandfrei vorfliegen. Und so kamen sie das erste mal mit zwei Cobra´s im Gepäck in die USA. Dort angekommen mussten die beiden erst einmal ausserhalb des offiziellen Fluggeländes aus Sicherheitsgründen ihr fliegerisches Können unter Beweis stellen. Ein amerikanischer Pilot, der auch Flugversuche mit einer Hubschrauberkonstruktion anstellte, gab im Anblick der damals perfekt fliegenden Cobras sofort auf.

Die Vorführung auf dem Wettbewerb in Pennsylvania war kurioserweise eine Kavan-Show.  Das Bild der Bekanntmachung dieser Vorführung zeigt das.

 

So wurde die Show angekündigt "The KAVAN Helicopter Team" mit zwei Schlüter-Cobras

 

Nach dieser erfolgreichen Vorführung fasste Franz Kavan den Entschluss selber einen Modellhubschrauber auf den Markt zu bringen. Er wollte keine Kopie der Schlüter-Konstruktion sondern einen völlig anderen Weg einschlagen. Zu diesem Zeitpunkt stand auch schon die Ausführung der Rumpfzelle fest, es sollte ein Jet Ranger werden, die Idee war von Bruno Gottfried. Das Entwicklungsteam unter Franz Kavan (U)  sollten D.Schlüter, Wilhelm Friedrich Biesterfeld (U) und Bruno Gottfried  sein. Dieter Schlüter sagte ab und ging bekanntlich seinen eigenen erfolgreichen Weg.

Wilfried Biesterfeld hatte ja auch schon eine eigene Konstruktion, erstmals vorgestellt beim Wettbewerb der Ausschreibung durch die Fa. Simprop am 14/15.September 1968. Dieses Modell steht heute im Hubschraubermuseum von Bückeburg. Auf das Konzept von F.W. Biesterfeld wurde beim Entwicklerteam von Franz Kavan aufgebaut.

 

Die beiden Bilder zeigen einen Versuchsrotorkopf von F.W. Biesterfeld. Das sind keine Paddel sondern die Reste der Rotorblätter, vermutlich nach einem missglückten Flugversuch. Alle hatten damals ein gemeinsames Problem: Ist meine Konstruktion falsch - oder kann ich nicht damit fliegen?

Hier noch einmal eine Nahaufnahme des Rotorkopfes von F.W. Biesterfeld

 

Bruno Gottfried  war für Franz Kavan ein fast unersetzlicher Eckpfeiler- denn er konnte einen Modellhubschrauber fliegen.

Nun ging es Schlag auf Schlag, Biesterfeld konstruierte und zeichnete, Kavan stellte die Teile her. Die Teile wurden zu Gottfried geschickt- erprobt und verfeinert. Da es sich im Gegensatz zur Schlütermechanik um einen Rotorkopf mit kollektiver Blattverstellung handelte, holte sich Bruno immer wieder Anregungen am Original. Das fand er bei der Flugschule Clever und Rietdorf in Saffig bei Koblenz. Rietdorf hatte auch die Idee mit dem spektakulären Rundflug der Cobra gesteuert von seiner Huges 300 über Koblenz. Die ganze Crew vor allem Otto Rietdorf bemühte sich um Lösungen für Brunos Probleme.

 

 

Das Bild zeigt Bruno  Gottfried und Otto Rietdorf in der Hughes 300

 

 Um das Wissen über die Hubschraubertechnik zu vertiefen nahm Bruno selbst eine Flugstunde. Der Jet Ranger erhielt eine ausgeklügelte, mechanische Mischung zwischen Gas, Pitch und Heckrotor. Gleichzeitig experimentierte Simprop mit Rudermaschinen. Die Servos hatten damals ca. 800 Gramm Nutzlast, etwas knapp vor allem für die Pitchansteuerung. Durch Modifikationen brachten es die Simprop-Spezialisten auf stolze 1200 Gramm Zugkraft, das reichte. Bald stellte sich heraus, dass die Kühlung für den Motor nicht ausreichte. Gottfried kam auf die Idee des aufsteckbaren Extremkühlkopfes, so wie er  heute noch in vielen Mechaniken Verwendung findet. Die Mechanikgrundplatte musste aus anderem Material hergestellt werden, weil der Kunststoff nachgab. Alles Fehler, die man nicht auf dem Zeichenbrett vorhersehen konnte sondern erfliegen musste. Diese Verbesserungen  gingen auf das Konto des Testpiloten Bruno Gottfried. Auch die Urform des Rumpfes wurde noch im Keller von B. Gottfried kurz vor Weihnachten 1971 fertig gestellt. Daraus stellte der technische Zeichner Henry Drescher die Form und die ersten Rümpfe her.

 

 

Von links: Bruno Gottfried, Henry Drescher, Dieter Schlüter. Aufgenommen beim Schlüter Cup 2001 in Dietzenbach

 

Henry Drescher hatte im Formenbau schon reichlich Erfahrung, schliesslich stellte er auch die ersten 300 Rümpfe von der Cobra her. Im Februar 1972 wurde der Kavan Jet Ranger dann auf der Nürnberger Messe vorgestellt.

Nun startete Franz Kavan mit Bruno Gottfried und dem Kavan- Jet Ranger eine grosse  Vorstellungsreise in die USA zu allen führenden Herstellern von Helicoptern. Man war bei Boing, Lockheard, Bell, Sikorsky und Hughes. Die Mitarbeiter der Firma Bell in Dallas/Texas waren derart begeistert, dass Bruno dort mit dem Chefmechaniker einen Jet Ranger fliegen durfte, es war die Maschine des damaligen Vizepräsidenten von Präsident Richard Nixon, die da gerade zur Inspektion im Werk war.

Der Höhepunkt der Modell- Flugvorführungen bestand darin, dass Gottfried seinen sauber ausgetrimmten Jet Ranger allein fliegen ließ, d.h. Bruno stellte den Sender auf den Boden und lief ein Stück weg, während der Heli stabil im Kreis flog- da staunten die Amerikaner. Auf diese Art wurde der Jet Ranger in den USA in allen Fachzeitschriften für manntragende Helicopter sowie Modellbaufachzeitschriften bekannt gemacht und das Geschäft wurde entsprechend erfolgreich. Anschliessend besucht Bruno Gottfried einen Hersteller für Fernlenkanlagen – die Fa. Orbit. Dieser Hersteller baute einen Sender nach seinen Wünschen und Angaben. Der Sender hatte zwei drehbare Kreuzknüppel also insgesamt 6 Funktionen und alles trimmbar. Der Zweck war folgender. Gottfried wollte alle Funktionen getrennt steuern und mechanisch nichts mischen (für mich unvorstellbar).

 

Hier der Orbitsender mit zwei drehbaren Kreuzknüppeln

 

Wilhelm Friedrich Biesterfeld verstarb am 19.05.1985.  Wie mir Bruno Gottfried erzählte, hatte er noch einen Senkrechtstarter in Planung, aber das sollte nicht mehr sein. Franz Kavan verstarb am 7. Juli 1992.

 

Ich möchte mich für die Informationen und das Bildmaterial  bei Bruno Gottfried herzlich bedanken.